Erfahrung mit 1TB bzw. 2TB Fake USB-Sticks

Immer wieder findet man auf Wish, eBay und sogar Amazon große USB-Sticks mit 1 oder 2 Terabyte Speicherplatz zu einem kleinen Preis. So bekommt man beispielsweise einen No-Name 2TB Stick um gerade einmal 19,99€.

Angebot auf Amazon

Sucht man bei Geizhals nach Vergleichspreisen, so fallen einem drei Dinge auf.

  1. Es gibt keinen Hersteller der 2TB Sticks verkauft
  2. Die Preise beginnen bei ca. 150€
  3. Keiner dieser 1TB Sticks hat USB 2.0, sondern alle haben USB 3.0

Meine Testbestellung

Ich habe mir nun mal testweise so einen Billig-USB-Stick besorgt um zu schauen, was man da eigentlich geliefert bekommt. Bestellt habe ich den einen 2 TeraByte Stick um knapp 20€. Verkauft wurde er von dem Händler LinChengXianChengKaiMaRiYongBaiHuoDian. Auffallend dabei ist schon mal, dass in der Bestellauflistung weder das Bild noch die genaue Typenbezeichnung mit dem bestellten und glieferten Bild übereinstimmt.

Geliefert bekam ich dann innerhalb weniger Tage vom Amazon-Boten folgenden USB 2.0 Stick:

Fake 2TB USB-Stick Fake 2TB USB-Stick

Der Stick hat eine Größe von ca. 4 x 1,3cm (B x H). Allein hier sollte schon klar sein, dass in so einen kleinen Stick keine 2TB Speicherchips Platz haben.

Auf dem Stick und auf der Verpackung steht kein Markenname. Dafür steht unten kleingedruckt "Some of the listed capacity is used for formating and other functions and is not availiable for storage." (Ein Teil der aufgeführten Kapazität wird für die Formatierung und andere Funktionen verwendet und steht nicht für die Speicherung zur Verfügung.)

Nachdem ich ihn am Rechner angesteckt hatte, wurde er auch problemlos erkannt und Windows zeigt in der Datenträgerverwaltung auch den entsprechenden Platz von 1953,13 GiB an.

Ein Test mittels dem Geschwindigkeit-Test-Programm CrystalDiskMark 7.0 zeigt folgende Datenübertragungswerte:

Test mit CDM

Der gelieferte USB 2.0 Stick hat eine Schreibgeschwindigkeit von nur ca. 7,3 MB/s.
Um die 2 TB vollzuschreiben würde man also theoretisch ~76 Stunden benötigen ((2.000.000 / 7,3) / 60 / 60).

Test mit H2testw

Um die reale Speicherkapazität von Speichermedien zu testen gibt es zum Glück das kostenlose Programm H2testw. "Die Software findet heraus, ob ein Speichermedium tatsächlich so viel Speicherplatz bietet, wie vom Hersteller angegeben." schreibt heise.de, die dieses Programm entwickelt haben und zum Download anbieten. "H2testw erzeugt zufällige Daten, schreibt diese in maximal rund 1 GByte große Dateien und speichert sie auf die Speicherkarte oder den USB-Stick bis das Medium meldet, dass es voll ist. Im nächsten Schritt liest die Software die Dateien wieder vom Speichermedium und prüft, ob sie mit denen identisch sind, die zuvor geschrieben wurden."

Ich hab das Programm installiert und gestartet. Auch H2testw zeigt einen Speicherplatz von 1.999.980 MB an.

H2testw

Nachdem das Test-Programm etwas mehr als 32 Stunden gelaufen ist und 865 GB an Daten auf den Stick geschrieben hatte, wurde der Schreibvorgang mit einer Fehlermeldung abgebrochen.

H2testw Fake-Stick-Test

Die Datenmenge reicht aber locker aus, um die geschriebenen Daten nun auf Vollständigkeit (Integrität) zu prüfen.
Wie zu erwarten war zeigt das Programm, dass lediglich 29,7 GB korrekt geschrieben wurden. Der Rest der Daten ist verloren gegangen.
Somit wurde zweifelsfrei festgestellt, dass es sich bei dem 2 TB Stick lediglich um einen 32 GB Stick handelt!

H2testw Fake-Stick-Test

Solche 32 GB Sticks bekommt man von Markenherstellern zum Einzelpreis bei Amazon um circa 7€ (z.B. den Kingston DataTraveler SE9 -DTSE9H/32GB).
No-Name Sticks in gößerer Menge bekommt man bei Alibaba um ca. 2$. Ein lukratives Geschäft, da die wenigsten User den Schwindel rechtzeitig bemerken werden.

Billig Sticks bei Alibaba

Ich hab den Stick nun auch noch auseinander gebaut. Darin befand sich eine rote Plastikklemme, mit welcher der Chip im Gehäuse verklemmt war und ein Speicherchip mit der Bezeichnung BHL C1032G, wobei C10 auf Class 10 (10 MB/s Schreibgeschwindigkeit) und das 32G auf die Speichergröße von 32GB hindeutet. Im auseinandergebauten Speicherchip fand sich interessanterweise ein microSDHC Speicher (erkennbar an den 8 Pins). Zum Vergleich habe ich eine microSD-Karte links daneben gelegt (siehe unteres Bild).

Die Tricks der Betrüger

Wie aber gehen die Betrüger hier vor? Die Antwort ist ganz einfach: Sie manipulieren den Speicher-Controller des Sticks, so das er unter Windows mit der vollen Kapazität angezeigt wird. Solange man die reale Kapaziät des Sticks nicht ausnutzt fällt dem User auch nichts auf. Erst wenn die Kapaziätsgrenze überschritten wird, fängt der Stick an alte Speicherzellen erneut zu überschreiben. Die Daten können dann nicht mehr gelesen werden und sind somit unwiederbringlich verloren. Auch hier fällt dem User beim Beschreiben des Stick nichts auf. Auf dem Stick (der eine reale Größe von nur 32GB statt 2TB hatte) wurden knapp 865 GB geschrieben, welche auch von Windows so angezeigt wurden. Erst beim Lesen der Daten stellt man fest, dass man diese nicht mehr lesen kann.

Denselben Betrug gibt es übrigens auch mit SD und MicroSD-Speicherkarten.